Warum soll ich die Petition unterzeichnen?

Die Pläne der Regierung sehen derzeit vor, die Umsatzsteuer auf Eintrittskarten von 10% auf 20% zu verdoppeln. Diese rein einnahmenseitige Maßnahme zur Stützung der geplanten Steuerreform und zur Sanierung des Budgets muss aus mehreren Gründen abgelehnt werden:

Massensteuer: 35 Millionen jährlich verkaufte Karten betroffen! 

In Österreich werden jährlich etwa 45 Millionen Eintrittskarten für Veranstaltungen, Ausstellungen, Museen, Zoos und Sportveranstaltungen verkauft. Abzüglich der Tickets für Sportveranstaltungen, die größtenteils bereits der 20%igen Umsatzsteuer unterliegen, verbleiben in etwa 35 Millionen Tickets, die von der Verdoppelung der Umsatzsteuer betroffen wären.

Ticketsteuer macht die Tickets teuer!

Ungefähr 90% der betroffenen Tickets sind für Veranstaltungen, welche direkt oder indirekt durch die öffentliche Hand unterstützt werden (Veranstaltungen in allen Stadthallen und Stadien, Theatern, Opern- und Konzerthäusern, Ausstellungen, Museen, Zoos, Sehenswürdigkeiten). Jede Erhöhung der Umsatzsteuer würde sich entweder sofort im Endkundenpreis auswirken oder aber zu Lasten des Subventionsträgers bzw. des öffentlichen Eigentümers gehen (kein Theater, Musiktheater, Konzerthaus oder Museum könnte einen 10%igen Einnahmenverlust anstandslos verdauen und jede Stadthalle würde durch eine Verringerung der Mieteinkünfte mehr Subvention benötigen). Eine Verdoppelung der Umsatzsteuer in diesem Bereich würde also unterm Strich nichts bringen, da sie entweder eine Preiserhöhung mit einhergehenden nachhaltigen Publikumseinbußen und/oder aber staatliche Subventionserhöhungen nach sich ziehen würde, die im Endeffekt erst Recht wieder von den SteuerzahlerInnen getragen werden würde.

Mit dem Bentley zum Konzert?

Laut manchen Experten handelt es sich trotz der schieren Menge betroffener Karten um keine Massen- sondern eine Reichensteuer, bei der es bloß um die Streichung von Steuerausnahmen geht. Aber sind nur Millionäre am Punk Konzert? Haben nur Besserverdiener ein Recht auf Musical? Ist der Pöbel zu blöd für das Theater und es befinden sich nur goldene Kreditkartenträger im Publikum? Natürlich nicht. Und das soll auch so bleiben.

Teilnahme am Kulturleben ist ein Menschenrecht und kein Privileg für Reiche!

Daher sollten wir als aufgeklärte Gesellschaft in diesem sehr sensiblen Bereich auch vorsichtig mit etwaigen Erhöhungen von finanziellen Barrikaden umgehen. Bisher waren Kultur, Information und Unterhaltung steuerlich den Lebensmitteln und den Mieten gleichgestellt. Nicht ohne Grund sind in fast allen europäischen Ländern kulturelle Waren und Dienstleistungen mit einem ermäßigten Steuersatz belegt. Kultur und Information sind in einem demokratischen und gebildeten Gemeinwesen unverzichtbar. Die Teilnahme am Kulturleben ist ein Menschenrecht, sie sollte daher besonders geschützt und gefördert werden und darf keinesfalls an finanziellen Barrieren scheitern.

Weniger Shows, weniger Besucher, weniger staatliche Einnahmen!

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Veranstaltungen in Spanien jetzt oder in Ungarn (in mehreren Stufen von 15% auf 27%) vor wenigen Jahren hat sowohl zu einem massiven Rückgang an Veranstaltungen allgemein als auch zu einem Rückgang der Besucherzahlen geführt. Die Anzahl von relevanten Populärveranstaltungen in Ungarn ist mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um mehr als 70% (!) zurückgegangen, da kaum mehr internationale Tourneen durch Ungarn führen. Für die bekannten Festivals “Sziget”, “Balaton” und “Volt” wurde eine eigene Gesetzesausnahme geschaffen, da sie ansonsten nicht mehr hätten stattfinden können. In beiden Ländern gingen de Fakto die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer in diesem Segment drastisch zurück. Die Budapest Arena, die größte Halle in Ungarn, ist seither in andauernden massiven finanziellen Schwierigkeiten, obwohl bereits ein großer Teil des Personals entlassen wurde. Für 2015 sind derzeit gerade einmal 8 internationale Veranstaltungen mit 11 Vermiet-Tagen gebucht!

Am Beispiel von Österreichs größter Veranstaltungshalle lässt sich der Effekt leicht berechnen: Selbst wenn durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer nur 20% weniger Veranstaltungen mit jeweils 10% weniger Publikum stattfinden würden (das wäre ein Bruchteil des Effektes, den die Steuererhöhungen in Spanien und Ungarn hatten!), würde statt der erwarteten Mehreinnahme von 5 Millionen in Wahrheit eine Mindereinnahme von 0,5 Millionen erzielt werden (weniger Besucher, weniger Vermiettage, weniger Nebeneinnahmen). In dieser Rechnung sind Effekte aus verlorengehender Umwegrentabilität noch nicht eingerechnet (Lieferanten, Touristik, Transporte, Arbeitsplätze, etc.).

The Show Must Go On! Aber nicht in Österreich…

Österreich steht im internationalen Veranstaltungsgeschäft, das jährlich viele Millionen Besucher zählt und auch hunderttausende ausländische Besucher nach Österreich bringt, im Wettbewerb mit seinen Nachbarländern. Hier die Mehrwertsteuersätze auf Veranstaltungstickets in den Nachbarländern:

Schweiz2,50%
Deutschland7%
Slowenien8%
Österreich10%
Italien10%
Kroatien13%
Tschechien15%
Slowakei20%
Ungarn27%

Eine Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf 20% würde Österreich sofort in den hintersten Bereich der Tabelle katapultieren, eine Abwanderung von internationalen Produktionen aus Österreich ist klar vorhersagbar.

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